von Hanns Rheindorf (1902 – 1982)

Hauptaltar der Vatikankirche, Expo Brüssel 1958

Altarbaldachin von Hanns Rheindorf

Das Innere des gewölbten Baldachins – der Himmel
Foto: Max Schulz 2019

Über dem Altartisch erhebt sich ein etwa 8 m hoher Baldachin. Seine schlanken Bronzepfeiler tragen eine gewölbte Überdachung, eine Kuppel, die Beobachtende an ein römisches Pantheon oder an Renaissancebauten erinnerten. Nur bei sehr gutem Licht ist heute die Gestaltung zu erkennen: Die Wölbung ist vermutlich mit dünnem Feinsilber ausgeklebt, mittlerweile schwarz angelaufen. In der Mitte ist die Figur eines sitzenden Christus angebracht, das priesterliche Gewand in farbigem Emaille, Hände, Füße und Kopf in vergoldetem Silber gearbeitet.

Altarkreuz: Christus vor der Sonnenscheibe

Christus vor der Sonnenscheibe.
Foto: Art d’Église, Nr. 103, 1958, S. 47

Ein ihn umgebender Kreis steht für die Sonne, vor der Christus thront. Der Himmel ist durch ein regelmäßiges Liniennetz angedeutet, das in 12 Segmente unterteilt ist. In jedem Segment findet man von innen nach außen jeweils: eine Leuchte – einen Planeten - und zwei Engel, dann ein Tierkreiszeichen aus vergoldetem Kupferdraht und schließlich einen der zwölf Apostel, in derselben Ausführung wie Christus.
Der gesamte Altar war ursprünglich Zentrum der Kirche mit dem Namen „Christi gloriosi“ – des triumphierenden Christus - im Vatikanpavillon der Weltausstellung 1958. Der nannte sich „Civitas dei“– Stadt Gottes, Himmlisches Jerusalem. Es war die erste offizielle staatliche Beteiligung des Heiligen Stuhls an einer Weltausstellung. Es passt in die Zeit, dass man im Baldachin Jesus als „Christus in der Verherrlichung“ und als Mittelpunkt des Universums begegnet.
Wie auch immer man das Bild im Baldachingewölbe versteht: Im Altarbild von Liebfrauen als ganzem ist der triumphierende Christus nicht ohne den leidenden Jesus im - immer noch am hellsten leuchtenden - Kruzifix unter dem Baldachin zu finden.