Hauptaltar der Vatikankirche, Expo Brüssel 1958

Inneres der Vatikan-Kirche in Brüssel

Inneres der Vatikankirche in Brüssel. Foto aus: Art d’Église 103, 1958, S. 46

Der Altar vor der dunklen Chorwand in Liebfrauen fällt beim Aufgang in die Oberkirche sofort ins Auge, auch wenn in der entsakralisierten Kirche brennende Lichter fehlen. In der Vatikankirche auf der Expo in Brüssel 1958 hatten Altartisch, Kreuz und Baldachin ihren Platz vor einer hellen Chorwand, auf die hin sich der Kirchenraum verjüngte. Licht kam von den die Seiten füllenden Glasfensterwänden.

Altarensemble und feierlicher Gottesdienst

Die gesamte Altarausstattung (bis auf den Tabernakel – aber einschließlich Leuchtern, Ambonen, Gestühl) wurde von rheinischen Kunstschaffenden für die Vatikankirche gefertigt und nach Ende der Weltausstellung dem neuen Bistum Essen übergeben, das sie gegen einen geringen Betrag der neuen Liebfrauenkirche zur Verfügung stellte.

Über die Brüsseler Kirche war 1958 bemerkt worden, sie sei als liturgischer Bau beispielgebend: „In der raumweiten Kirche ist der Altar der liturgische, geistige, künstlerische und optische Mittelpunkt. Er ist dem Volk entgegen­gerückt, das mit ihm in unmittelbarer, freier Ver­bindung steht.“ (Hugo Schnell)

In Duisburg fiel das frei im Altarraum stehende Altarpodest um drei Stufen höher aus als in Brüssel, der Altar stand jetzt im dunklen Chorraum einer traditionellen Kirchenanlage mit linearer Ausrichtung vom Eingang aus auf den Altar, zum Allerheiligsten.

Immerhin konnte nach dem II. Vatikanischen Konzil der Altar von Liebfrauen leichter zum Volksaltar werden als in vielen anderen katholischen Kirchen mit herkömmlichem Hochaltar. Der Tabernakel wurde vom Hauptaltar weg auf einem Altar im Seitenschiff platziert, der Priester feierte die Messe nun nicht mehr mit dem Rücken zum Volk, sondern der Gemeinde zugewandt.

Dass der Brüsseler Altar durchaus inspirierend auf zeitgenössische Künstler wirken kann, zeigt der Entwurf „Engelsturz“ von Werner Koch, der im Juli 2019 realisiert werden soll.

Werner Koch: Entwurf zu Engelsturz

Werner Koch „Engelsturz“, 2018
Entwurf für ein Objekt aus 12 Figuren
Foto: Thomas Gaedtke