von Willi Dirx (1917 – 2002)
Bronzeguss, 14 Tafeln 42 x 20 x 4 cm, 1967

Kreuzweg gesamt Teil 1 u 2

Der Kreuzweg in der Unterkirche Fotos: Max Schulz 2019

Der Wuppertaler Künstler Willi Dirx war in erster Linie Holzschneider und Illustrator, doch gestaltete er auch Kirchenfenster und -portale und stattete ganze Kirchen aus. Für die Unterkirche von Liebfrauen, die als Anbetungskirche diente, schuf er einen Kreuzweg. Der schmückt bis heute den Raum, wenn auch die Betonwände und die Bronzetafeln dunkel geworden sind (alle 14 Stationen: siehe Rundgang Kreuzweg)

Die Tafeln stellen die Passion vereinfacht und konzentriert dar, es gibt in den Bildern nur Jesus, das Kreuz und die beteiligten Menschen, kaum eine dingliche Kulisse, nie eine natürliche Umgebung. Dieser Kreuzweg verdichtet das Geschehen, ohne zu übersteigern, er gibt den Realismus nicht auf, ist schlicht in einem ansprechenden Sinne.

Das sei für eine Station genauer gezeigt.

Station 5: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

05 Kreuzweg Ausschnitt

Foto: Max Schulz 2019

Ein ausladendes Kreuz strukturiert und beherrscht das Bild, wie bei fast allen Stationen, es reicht über die Bronzeplatte hinaus, die den Hintergrund bildet. Jeder Rahmen ist zu eng für das zu Zeigende. Man sieht von Jesus einen schmalen Körper, der auf die Knie gefallen ist unter der Last des Kreuzes, welches die rechte Hand immer noch anfasst. Aus dem langen Gewand treten Arme und nackte Füße heraus, das Gesicht ist der Erde zugeneigt, im Profil zu sehen, Haarschopf und Dornenkrone sind kaum unterscheidbar verschlungen. Simon von Cyrene, der Mann, der gezwungen wird, bei der Hinrichtung mitzuarbeiten, indem er das Kreuz trägt, steht leicht vorgeneigt hinter Jesus, fasst mit beiden Händen zu, er schaut aus dem Bild heraus, bleibt jedoch fast ausdruckslos, ein Jedermann. Drei Hände halten so das Kreuz, das Simon an Jesus bindet. Der Querbalken des Kreuzes reicht links oben fast an eine Gruppe von Frauen heran, die eigentlich im Hintergrund stehen, eine davon mit Kind auf dem Arm. Sie nehmen auf unterschiedliche Arten Anteil, eine der Frauen reißt die Arme nach oben, eine andere ist im Wortsinn ergriffen.
Das Bild insgesamt ist ein Aufschrei, auch wenn die zentralen Personen stumm sind. In die Tradition des Expressionismus werden Dirx‘ Arbeiten denn auch oft gestellt. Für das Werk Otto Pankoks, mit dem Dirx befreundet war, hat man einmal von „expressivem Realismus“ gesprochen. Vielleicht passt das auch auf Dirx.

Willi Dirx Foto Stadt Wuppertal kleiner

Willi Dirx, Foto: Stadt Wuppertal

Willi Dirx, dessen wichtigste Arbeiten im klassischen Flächenholzschnitt ausgeführt, oft als Bildmappen oder Buchillustrationen publiziert worden sind, wurde 1917 in Recklinghausen geboren, er lebte nach seiner Schulzeit in Duisburg, nach dem Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf und dem Militärdienst die längste Zeit seines Lebens, von 1945 bis 2002, in Wuppertal.
Geprägt war er durch Kriegserlebnisse, später durch Umbrüche wie die Bürgerbewegung in den USA oder die Befreiungsbewegungen in Lateinamerika, auch durch zahlreiche Reisen und Kontakte in den damals so genannten Ostblock. Ein Vertrauter nannte ein Buch über den 70-jährigen Künstler „Im Unterwegs zuhaus“. Er galt als unkonventioneller Katholik. Außer mit Pankok war er auch mit Otto Dix und Heinrich Böll befreundet, und er trug Holzschnitte zur Erstausgabe von Ernesto Cardenals „Psalmen“ bei. Das Leiden von Menschen, aber auch die Hoffnung als Motiv findet man bei ihm oft.
Er hat zahlreiche Bilder der Passion Jesu und ganze Kreuzwege gestaltet, als Holzschnitte und Metallgusstafeln. Den Kreuzweg aus Liebfrauen gibt es in fast identischer Form als Aluminiumguss auf dem Friedhof der Franziskusschwestern in Essen-Bedingrade. Bis 2013 befand er sich in der Kirche St. Hubertus in Essen-Bergerhausen. Er umfasst - abweichend vom häufigsten Kreuzweg-Format - eine 15. Station: die Auferstehung, die Überwindung des Leidens.

Literatur:
Garweg, Udo u.a. (Hrsg.): Wuppertaler Künstlerverzeichnis, Wuppertal 2000.
Lambertz, Josef: Im Unterwegs zuhaus. Holzschnitte von Willi Dirx und Bildmeditationen, Aachen 1987.
Neukirchen, Daniel: Berühmte Wuppertaler. Willi Dirx: Das Grauen des Krieges mit Kunst verarbeitet, in: Westdeutsche Zeitung vom 13. August 2017,
abgerufen unter https://www.wz.de/nrw/wuppertal/kultur/willi-dirx-das-grauen-des-kriegs-mit-kunst-verarbeitet_aid-26685551 (7.6.2019).