von Gisèle Favre (1912 – 2007)

aus der Vatikankirche, Expo Brüssel 1958, Sakramentskapelle Krankensalbung

Gemälde Krankensalbung

Foto: Max Schulz 2019

Das Dargestellte ist nur zu erahnen – es muss um etwas Neues, Befreiendes gehen, das einem Menschen widerfährt. Das Spenden des Sakraments ist angedeutet in Handauflegung, Gebet, Salbung mit heiligem Öl, Priestergewand, in Figuren, Pflanzen, in den Grundfarben.

Agnès Rosenstiehl schreibt zu dem Gemälde ihrer Mutter:

„In diesem Werk von Gisèle Pinsard sehe ich ihre Tendenz zu symbolisieren, fern von einem Realismus, der sie dazu gebracht hätte, eine spezifische Krankheit darzustellen: Die Krankensalbung, wie der Titel der Tafel es sagt, ist hier durch einen einzelnen symbolischen Kranken dargestellt, in kräftigem Rot, der den Beistand der Kirche erhält. Er ist von einer Hülle umgeben, die ihn zugleich zu beschützen scheint wie auch das Gefühl vermittelt, dass sie sein Leichentuch werden wird. Die durch rote Male gezeichneten Personen unten lassen mich an Kranke und Gläubige denken, gleichzeitig mitleidend und fromm.“ (Email vom 13.04.2019, übersetzt)

Bildelemente und Dekorationsmuster aus anderen Arbeiten Favres sind wiederzuerkennen – man vergleiche auch die Gestaltung der Keramiktafel „Ehe“ in der Oberkirche (Juwel 18).
Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Architekten und Maler Pierre Pinsard, war sie 1958 in Brüssel für den Vatikanpavillon tätig, sie als ausführende Künstlerin, er als Architekt der zentralen Sakramentskapelle der Eucharistie in der Kirche.
Gisèle Favre arbeitete hauptsächlich mit Keramik. Ihre Entwürfe verwendete sie selten für Gemälde, hauptsächlich für glasierte Kacheln und Kachelflächen, oft auch für private Wohnzwecke.

Gisèle Favre bei der Arbeit

Gisèle Favre bei der Arbeit an „Krankensalbung“ und Keramikkacheln für eine Küche.
Fotos: Website giselepinsard-les4potiers.fr

Literatur:
https://giselepinsard-les4potiers.fr/biographie (2014, abgerufen 19.02.2019).
Agnès Rosenstiehl: Mitteilung per Email vom 14.04.2019.