von Georg Meistermann (1911-1990) und Gérard Lardeur (1931-2002)

aus der Vatikankirche, Expo Brüssel 1958

Gesamtansicht Glaskunstwände Hauptfassade

Oben links: Fensterwände der früheren Sakristei (heute Büro) und des südlichen Seitenschiffs, rechts des nördlichen Seitenschiffs; unten: Fenster der früheren Marienkapelle (heute Gruppenraum). Fotos: Max Schulz 2019

Die Wände sind durch geometrisierende Formen geprägt. Als gegenständliche Andeutungen sieht man kreuzförmige Muster, unten auch Schachbrett- und Kreisformen. Die drei Grundfarben beherrschen die Fenster: Blau-Lila, Rot, Blau-Türkis, Gelb, jeweils abgestuft, immer durch Bleieinfassungen, rechteckige Metallrahmen und dunkle Gläser strukturiert, insgesamt hell eingerahmt. Man kann in den oberen Fenstern eine Bewegung von außen nach innen erahnen, man kann an geologische Formationen denken.

Gesamtansicht Glaskunstwände Hauptfassade

Fotopostkarte 1958, Sammlung Heidi Blümer, Fotos: Bekaert 2006

Was hat es mit dieser Glaskunst auf sich? Die Duisburger Fenster sind im Frühjahr 1959 aus den Glasfensterwänden der Kirche im Pavillon des Vatikan auf der Expo 1958 in Brüssel entstanden. Die Fensterwände dieser nur für eine Saison errichteten zeltartigen Kirche stammten von Georg Meistermann (linke Seite) und Gérard Lardeur, Paris (rechte Seite). Sie wurden im Dezember 1958 vom Vatikan dem Bistum Essen geschenkt und nach Duisburg weitervermittelt.
Das gelb getönte Fenster, heute unten in der Hauptfassade, wurde – so erweisen es alte Fotos - aus Teilen der Brüsseler Lardeur-Fensterwand neu zusammengesetzt. Die Rot- und Blautöne der oberen Wände aber finden sich in den Fensterwänden der Expo-Kirche auf beiden Seiten. Aus Werkstattberichten über die Arbeiten in Duisburg, aus den Nachlässen von Architekt und Künstlern war bisher nichts Genaueres über die Gestaltungsideen, die Auswahl der Glaselemente und die Neuzusammensetzung zu erfahren.
Mit aller Vorsicht kann gesagt werden: Die Fenster in Duisburg können nicht ohne Beteiligung der Schöpfer der Brüsseler Fenster entstanden sein.
Die drei oberen Fensterwände oben passen gut in das Profil der Arbeiten Meistermanns (1911 - 1990) in der Mitte der 1950er Jahre. Eine „einfache Sprache der Linien und der drei Urfarben“ und „flächige Tiefenordnungen“ (Meistermann) finden sich auch in Liebfrauen. Und: Was eine Expertin in Meistermanns Werk „seit 1954“ gestaltet sieht, das schärft auch den Blick auf die Glaskunst in Liebfrauen: „eine bildbestimmende ungegenständliche Tektonisierung der Fläche mittels geometrisierender Felder, Streifen und Linien, die für die folgenden Arbeiten Meistermanns bis ins Spätwerk bestimmend sein sollte. Die Anordnung dieser häufig zu Blöcken ausgebildeten Elemente in scheinbar unterschiedlichen Ebenen öffnete die zweidimensionale Fläche erstmals in die Tiefe.“ (Wilhelmus 2014, 127)
Die Brüsseler Fenster Gérard Lardeurs (1931-2002) waren die Arbeit eines jungen Künstlers. 1957 hatte er seine ersten Fenster für die Obergaden der Kirche des Dominikanerkonvents in Lille hergestellt, eines bis heute beachteten Bauwerks. Neben zahlreichen Plastiken schuf er etwa 70 Fenster für französische Kirchen (so auch für die Cathédrale Notre Dame in Calais). Er habe eine abstrakte Formensprache in traditioneller Glasmalerei verwendet, das Spiel mit einem dicht gedrängten Netz von Bleistegen sei für ihn kennzeichnend gewesen, schreibt De Gruyters Künstlerlexikon über ihn.

Glasfenster aus Lille

Foto: Website des Couvent des Dominicains de Lille, http://dominicainslille.fr