Glaskunstwände

Glaskunstwaende

Es handelt sich bei den Lichtöffnungen in den seitlichen Anschlusstrakten des zentralen Kirchenschiffes um Wände aus Glas. Im südlichen Anschlusstrakt befinden sich im Erdgeschoss ein Gruppenraum – die ehemaligen Marienkapelle - und im Obergeschoss ein Büro sowie ein Seitenschiff der Oberkirche, im nördlichen Anschlusstrakt das andere Seitenschiff.

Das in Blei gefasste, mundgeblasene Echt-Antikglas wurde 2010 mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert und ist seitdem ungeschützt dem regen Leben auf dem König-Heinrich-Platz ausgesetzt. Die Folge: rd. 30 Scheiben sind zerstört oder beschädigt. Die Räume hinter den Glaswänden sind wegen der nicht vorhandenen Wärmedämmung des Echt-Antikglases nicht beheizbar. So können der Gruppenraum und das Büro im Winter nicht genutzt werden. In Abstimmung mit den Behörden der Denkmalpflege und mit Hilfe des Landes NRW soll 2019 eine Schutzverglasung angebracht werden, die auch deutliche thermische Verbesserungen mit sich bringt.


Bunte Beton-Dickglasfenster

K 2 Bunte Beton Kunstharzwand

Foto (Ausschnitt): Christian Huhn, 2018, Big Beautiful Buildings

In der Kapelle der Unterkirche leuchten die farbigen Dickglas-Elemente mit Tageslicht aus dem Westen. Sie sind umgeben von Betonstreben, die durch Kerzenruß geschwärzt sind. Das Dickglas wurde nach einem künstlerischen Entwurf in eigens geschaffenen Formen gegossen. Es wurde in hohen rechteckigen Metallrahmen angeordnet und diese mit Bewehrungseisen verstrebt. Beton füllt die freien Flächen.

Kapitel 2 Aussenansicht

Foto (Ausschnitt): Max Schulz, 2018

Rahmen, Bewehrung und Beton weisen vermehrt Schäden auf.

Kapitel 2 Zustand 2018

Zustand 2018, außen und innen

Über die Oberkante der Metallrahmen dringt Regenwasser ein und läuft innen herab. Die Schlieren sind bei hellem Licht deutlich zu sehen. Die Rahmen haben oben angefangen zu rosten und sich verzogen, dadurch andere Stellen zum Korrodieren und Abplatzen gebracht.
Der die Dickglaselemente umgebende Beton weist vermehrt Schäden auf. Durch die Korrosion der eingebrachten Bewehrungseisen und der Metallrahmen reißt der Beton und platzt ab.

K 2 Zustand 2009 u. 2017

Details: Zustand 2009 und 2017, außen


Faltwerkwände

Kapitel 3 Faltwerkwaende

Faltung und Ansicht der Nordwand, Foto (Ausschnitt): Christian Diehl

Das „Kronjuwel“ der Liebfrauenkirche, die Faltwerkwände in den Obergaden, werden in der ergänzenden Baubeschreibung von 1959 in schnörkellosem Technikerdeutsch so beschrieben: „Ausführung: 8 mm stk. Plexiglas aus 6 mm Kernmaterial beidseitig mit je 2 Lagen Glasfaser-Rovings verstärkt. Die Faltkanten (Winkel) mit beidseitig 2 Lagen Glasfaserstreifen (Roving) geklebt. Gesamtgewicht rd. 4200 kg (je Wand). C.W. Kopperschmidt & Co (Hamburg), gez. Plattner, J., Nov. 1959“. Das Material stammt von der Firma Röhm & Haas, Darmstadt (heute: Evonik).

K 3 Alterungen

Craquelle Alterssprünge, Nordseite außen, Februar 2018, Foto: Judith Bützer

Die Alterung des Plexiglases ist auf dem Nahfoto unübersehbar. Wie lange dieser glasfaserverstärkte Kunststoff seine Aufgabe erfüllen kann und was zu seiner Pflege und seinem Schutz zu tun wäre, ist noch offen.

K 3 Warmebild

Wärmebild, Nordseite außen, 18.03.2018

Zu den energetischen Eigenschaften der großflächigen Wände gibt es erste Anhaltspunkte: Eine Wärmebildaufnahme zeigt einen hohen Wärmeverlust im Vergleich zur baulichen Umgebung. Die Stahlbeton-Wände halten die Wärme deutlich besser als das Plexiglas-Faltwerk.

Kapitel 3 Vitrine

Ob der langfristige Schutz des Plexiglases und die energetische Ertüchtigung der Oberkirche durch eine vorgesetzte Konstruktion (Vitrine) notwendig und sinnvoll ist, müssen weitere Expertengespräche und Untersuchungen ergeben.




Außenverkleidung

K 4 Treppenturm

Foto (Ausschnitt), Max Schulz

Der äußere Anblick der Liebfrauenkirche wird heutzutage – abgesehen vom großen Wandbild am Haupteingang und dem Faltwerk in den Obergaden - überwiegend vom Grau der Spritzputzverkleidung bestimmt. Der Arkadengang im Norden und der Treppenturm im Westen der Kirche müssen noch saniert werden.

K 4 Treppenturm Detail

Auch die Fensterrahmen im rückwärtigen Treppenturm rosten. Sie sind aus Metall und halten quadratische Buntglasscheiben. Wegen der Korrosion verziehen sich die Rahmen und bringen so das Glas zum Bersten.

K 4 Arkade

K 4 Stutzpfeiler Detail

Bei einem Stützpfeiler im Arkadengang liegen bereits die Bewehrungseisen frei.

 

K 4 Obergaden Schieferrest

Foto (Ausschnitt): Max Schulz, 2018

Oberhalb der Faltwerkwände sind im Norden und Süden der Kirche die alten Schieferverkleidungen erhalten. Sie sind inzwischen von Netzen umfangen, damit eventuell sich lösende Platten gesichert sind.

Denkmalschutz

Im Zuge der Auseinandersetzungen und Verhandlungen über die Kirche und ihre Nutzung Anfang der 2000er Jahre wurden verschiedenste Modelle diskutiert, darunter sogar der Verkauf der Liegenschaft an einen Kaufhaus-Investor.
Der Denkmalschutz, die endgültige Unterschutzstellung der Kirche am 31.5.2005, half dem zwei Jahre zuvor einberufenen "Runden Tisch" , die Debatte in Richtung der Eingliederung in eine neu zu gründende Stiftung zu lenken.


Baumaßnahmen

Die Umwidmung der Kirche zur Kulturkirche im Zuge der Stiftungsgründung "Brennender Dornbusch" erforderte zahlreiche Baumaßnahmen. Alle Änderungen hatten nunmehr der Versammlungsstättenverordnung zu folgen. Durchgeführt wurden eine neue Elektro- und Sanitärinstallation, der Einbau eines neuen Aufzuges und einer Küche, Brandschutzmaßnahmen wie Türen und Zwischenwände und mehr. Am 12.09.2013 konnte die Wiedereröffnung erfolgen.
Ein großes Problem waren und sind die Außenverkleidungen. Der ausgearbeitete Plan einer Ummantelung der gesamten Kirche - auch der Plexiglasfaltwerkwände - mit einer "transluzente[n] Hülle aus mehrschichtigen Polycarbonatplatten" scheiterte nach langen Verhandlungen am Einspruch der Denkmalbehörde.

Modell Hüllenplanung

Nach Meinung der beteiligten Architekten H.Hermanns, Klösges, Pfeifer hätte die Verkleidung zum Stil des Bauwerks gepasst und überdies große Energieeinsparungen von bis zu 90% ermöglicht. Die teilweise beschädigte, als gefährlich eingestufte Natursteinverkleidung wurde dann weitgehend entfernt und größtenteils durch Spritzputz ersetzt.

 

Skizze Hülle

Bis zur Kirchweihe

Im Oktober 1957 kamen die Bauarbeiten in Gang mit der Bauerlaubnis der Stadt, der Segnung des Kirchplatzes und dem ersten Spatenstich. Die Firma Hitzbleck führte die Rohbauarbeiten ab März 1958 aus.
Im September fand die feierliche Grundsteinlegung durch Dechant Burdewick und Pfarrer Gartz statt. Ende Oktober 1958 war der Rohbau fertig, am 12. Dezember gab es das Richtfest.
Am 18. Oktober 1959 fand die Weihe der 5 Bronzeglocken aus der Glockengießerei Petit und Edelbrock in Gescher statt.
> Link: Juwelen, Glocken
Bei der Grundsteinlegung 1957 ging man noch davon aus, "im Laufe des nächsten Jahres" werde die neue Kirche geweiht. Hauptgrund der Verzögerungen waren Schwierigkeiten mit den Seitenfenstern. Zunächst hatte der Architekt an Buntglasfenster gedacht. Es erwies sich, dass bleigefasste Glasfenster zu schwer geworden wären. Im November 1959 war eine Lösung gefunden: mit Glasfasern verstärkte Plexiglasfenster von einer Hamburger Spezialfirma, windsicher und leicht genug. Bis März 1961 wurden die Fensterelemente schließlich mit hohem Aufwand eingesetzt.
Kirchweih
Sehr bald danach, am 4. Juni 1961, wurde die neue Liebfrauenkirche durch Bischof Dr. Franz Hengsbach feierlich geweiht.
"Erst jetzt erkannten alle, welch herrliches Geschenk der Architekt Dr. Toni Hermanns aus Kleve durch seinen modernen Entwurf der Gemeinde und der ganzen Stadt gemacht hatte", schreibt der Chronist von Liebfrauen.


Das Äußere

Bis die Ostfassade, das Gesicht der Kirche zum König-Heinrich-Platz hin, ihre heutige Gestalt erhielt, brauchte es mehr als sieben Jahre. Das Relief "Moses vor dem brennenden Dornbusch" zwischen den Eingangstüren wurde im Oktober 1965 vom Bildhauer K.H.Türk angebracht, später die Stirnwand darüber mit hellrotem Granit verkleidet, das Feuer des Dornbusches andeutend. Damit kam eine lange, teils heftige Diskussion über die Gestaltung der Eingangsfassade zum Abschluss.
> Link: Juwelen, Wandbild "Brennender Dornbusch"

Fassade


3 Peche Fotos

Die Auftragsvergabe für die Schieferverkleidung auf der Nord-, West- und Südseite wurde 1967 beschlossen. Die Arbeiten wurden in mehreren Etappen durchgeführt und dauerten bis Oktober 1971.

Standort König-Heinrich-Platz

Nach dem Krieg gab es lange Zeit Überlegungen, die Liebfrauenkirche an der Brüderstraße wiederaufzubauen. 1953 bis 1955 fiel die Entscheidung für eine Kirche der Gemeinde weiter östlich, im Wasserviertel. 1952 kaufte die Kirche das Grundstück Kardinal-Galen-Straße 10-20. Stadtdechant Schwering, später auch Pfarrer von Liebfrauen, war nach vielen Berichten und Erinnerungen treibende Kraft beim Projekt des Kirchneubaus in der Stadtmitte Duisburgs. Er formulierte bereits Anfang 1953 die Idee des Baus neben dem Landgericht. Zeitweise sollte die neue Stadtkirche dann neben dem Duisburger Hof gebaut werden. Diese Lage erschien aber vielen als sehr ungünstig.
Planskizze
1955 erhielt die Gemeinde von der Stadt das Grundstück am Friedrich-Albert-Lange-Platz neben dem Landgericht - nach einem zweiten Votum des Stadtrates - endgültig zugesprochen, gegen heftige Widersprüche der Justizverwaltung. Nur so wurde es möglich, statt eher am Rande der Pfarrei nunmehr am König-Heinrich-Platz, "im Stadt- und Kulturzentrum ein neues Gotteshaus für das Wasserviertel und den Bezirk des Hauptbahnhofes und der Königstrasse zu errichten.", so schreibt die Chronik.


Entwurf Toni Hermanns'

Entwurf Toni Hermanns'

Im März 1956 empfahl der Gutachterausschuss von den 6 eingereichten Entwürfen für die neue Kirche den Plan des Architekten Dr. Toni Hermanns aus Kleve. Der Kirchenvorstand stimmte zu und beschloss die Ausführung des Baues. Das Generalvikariat genehmigte den Beschluss.
Der Plan Hermanns' sah eine Stadtkirche im Stil der Zeit vor: "[...] einen zweigeschossigen Kirchenbau, der unmittelbar an die Nachbargebäude Landgericht und Gefängnis anbindet. Durch seine klaren, kubischen Formen mit unterschiedlicher Größenentwicklung, durch die schlanke Höhe der Fassade, die aus der Flucht des angrenzenden Landgerichts zurückspringt, emanzipiert sich das Gotteshaus von den umstehenden Bauten. Da sich das Gebäude auf den zentralen König-Heinrich-Platz hin ausrichten sollte, dort also seine Hauptfassade ausbilden und von dort aus erschlossen werden sollte, ist es nicht geostet. Sämtliche Bauteile des Kirchenbaus sind als verschieden große und zum Teil unregelmäßige Kuben ausgebildet." (Gundula Lang, 2005)
Passend zur Konstruktion war als Material des Rohbaus Stahlbeton gewählt. Für das Innere der Kirche war Sichtbeton vorgesehen, "béton brut", soll heißen der rohe, grobe, aber auch herbe, sachliche, ehrliche Werkstoff Beton.

Die alte Liebfrauenkirche von 1896

Alte Liebfrauenkirche

1895/96 wurde die alte Liebfrauenkirche im historischen Zentrum Duisburgs erbaut. Hintergrund war die schnell wachsende Zahl an katholischen Bürgern im Zuge der Industrialisierung. Die Minoritenkirche, Zentralkirche der Liebfrauenpfarre, hatte 1000 Plätze, die Liebfrauengemeinde aber umfasste um 1890 über 7000 Katholiken. Man baute indes nicht neu, sondern erweiterte die Minoritenkirche im neugotischen Stil durch ein großes Hauptschiff samt Turm. Am 16. August 1896 wurde die neue Kirche geweiht, die 3000 Gläubigen Raum bot.
Die Kirche gehörte zur Stadt und zum Stadtbild. Fotos mit den 3 Türmen von Liebfrauenkirche, Salvatorkirche und Rathaus prägten eine Duisburger Ikone.


Kriegszerstörung, Notkirche

Kriegszerstrung

Im Bombenkrieg gegen NS-Deutschland wurden 1942 und 1943 das Hauptschiff der Liebfrauenkirche, der Turm und das Seitenschiff, die Minoritenkirche, großenteils zerstört, seit Mai 1943 hatte die Gemeinde gar keinen Raum mehr für Gottesdienste.

1 Notkirche